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Die Divertikulitis ist eine Erkrankung des Dickdarmes, bei der sich in Ausstülpungen der Schleimhaut (Divertikel) eine Entzündung bildet. Das gehäufte Vorkommen solcher Ausstülpungen heißt Divertikulose und stellt die Vorstufe der Divertikulitis dar. Am häufigsten, das heißt in 95 Prozent der Fälle, ist das Colon sigmoideum betroffen (Sigmadivertikulitis – auch als „Linksseiten-Appendizitis“ bezeichnet). In einem Prozent kann eine Divertikulitis im Colon transversum und in je zwei Prozent im Caecum und im Colon ascendens auftreten. In der Regel handelt es sich bei den Sigmadivertikeln um sogenannte Pseudodivertikel, d. h. die Darmschleimhaut stülpt sich durch Lücken der muskulären Wand durch.

Neue Stadieneinteilung

Gemäß S2k-Leitlinie „Divertikelkrankheit/Divertikulitis“ der AWMF von Mai 2014 modifiziert nach der klinischen Einteilung und Klassifikation von Hansen und Stock.

Stadium Bezeichnung Klinik
Typ 0 Asymptomatische Divertikulose Zufallsbefund; asymptomatisch; Keine Krankheit
Typ 1 Akute unkomplizierte Divertikelkrankheit/Divertikulitis
Typ 1a Divertikulitis/Divertikelkrankheit ohne Umgebungsreaktion Auf die Divertikel beziehbare Symptome; Entzündungszeichen (Labor): optional; Typische Schnittbildgebung
Typ 1b Divertikulitis mit phlegmonöser Umgehungsreaktion Entzündungszeichen (Labor): obligat; Schnittbildgebung: phlegmonöse Divertikulitis
Typ 2 Akute komplizierte Divertikulitis wie 1b, zusätzlich:
Typ 2a Mikroabszess, gedeckte Perforation, kleiner Abszess (≤ 1cm); minimale parakolische Luft
Typ 2b Makroabszeß, gedeckte Perforation, Para- oder mesokolischer Abszess (>1cm)
Typ 2c Freie Perforation, freie Luft/Flüssigkeit; generalisierte Peritonitis
Typ 2c1 Eitrige Peritonitis
Typ 2c2 Fäkale Peritonitis
Typ 3 Chronische Divertikelkrankheit; Rezidivierende oder anhaltende symptomatische Divertikelkrankheit
Typ 3a Symptomatische unkomplizierte Divertikelkrankheit (SUDD) Typische Klinik; Entzündungszeichen (Labor): optional
Typ 3b Rezidivierende Divertikulitis ohne Komplikationen Entzündungszeichen (Labor) vorhanden; Schnittbildgebung: typisch
Typ 3c Rezidivierende Divertikulitis mit Komplikationen Nachweis von Stenosen, Fisteln, Konglomerat
Typ 4 Divertikelblutung Nachweis der Blutungsquelle

 

Therapie und Ernährung

Die Behandlung wird bei schweren Verläufen im Krankenhaus durchgeführt, nur bei leichten Darmentzündungen kann eine ambulante Therapie durchgeführt werden. Hierbei ist eine antibiotische Therapie erforderlich. Mögliche Antibiotika sind Metronidazol, Ciprofloxacin und Cefuroxim. Initiale Nulldiät mit parenteraler Ernährung oder flüssige Ernährung können durch Ruhigstellung des Darmes ggf. das Befinden des Patienten bessern. Die Auflage von Eis auf die betroffene Region des Bauches (sog. Eisblase) kann den Entzündungsschmerz lindern und eventuell die Entzündung an einer weiteren Ausbreitung hindern.

Während der Behandlung ist ein langsamer Kostaufbau nach Abklingen der Erkrankung erforderlich. Da die Gefahr eines Rezidives mit Komplikationen (wie z. B. einer Perforation und dann kotiger Peritonitis) besteht, wird insbesondere bei rezidivierender Divertikulitis eine Resektion des betroffenen Darmabschnittes im entzündungsfreien Intervall empfohlen. Diese generelle OP-Indikation ab dem 2. Schub gilt heute als nicht zwingend notwendig.

Die OP-Indikation richtet sich heutzutage nach dem Komplikationsverlauf, sodass mehrere unkomplizierte Rezidive nicht zwingend operationswürdig sind. Diese elektive Operation kann heutzutage meist laparoskopisch durchgeführt werden. Kommt es zu Komplikationen wie einer Perforation oder einer starken Blutung, ist meist eine sofortige Operation erforderlich.